Fukushima ist überall! - auch in Deutschland
NAJU bei Menschenkette zwischen Neckarwestheim und Stuttgart
40.000 wurden erwartet, 60.000 kamen. Das sind die nackten Zahlen der lange vor der Katastrophe in Japan geplanten Menschenkette Süddeutschland zwischen dem AKW Neckarwestheim und der Villa Reitzenstein in Stuttgart am 12. März 2011. Auch die NAJU Baden-Württemberg war an diesem Tag sehr aktiv. Nahezu in allen Teilen der Kette standen NAJUs in der Kette und halfen so mit, dass die Kette nicht nur geschlossen wurde sondern auch ein starkes Zeichen in Richtung Bundes- und Landesregierung schicken konnte.
Angesichts der an diesem Tag sich mehr und mehr entwickelnden Bilder aus dem AKW Fukushima in Japan, bekam unser Anti-Atom-Protest in Baden-Württemberg neue Nahrung. 25 Jahre nach Tschernobyl war es zum zweiten GAU mit Explosion gekommen. Auch der Name Harrisburg ist vielen noch ein Begriff. Was aber in Deutschland fast keiner weiß, ist dass es auch im AKW Biblis vor 10 Jahren einen „Störfall“ gab. Nun war dieser Störfall kein leichter, sondern der Ausfall der Kühlung mit fast erfolgter Kernschmelze! Und so verwundert es schon ein wenig, dass gerade die Physikerin und Bundeskanzlerin Angela Merkel bei Spiegel Online verkündet unsere Atomkraftwerke seien sicher. Sie sind es angesichts der massiven Störfälle eindeutig nicht. Und durch die beschlossene Laufzeitverlängerung sind sie es erst recht nicht mehr – immerhin fehlt eine ganze Modernisierungsrunde. (Die ist ausgefallen, weil sie sowieso bald abgeschalten werden würden).
Aber zurück zur Menschenkette
"Noch in der vergangenen Woche sagten Menschen zu mir, dass wir die Kette kaum schließen könnten angesichts der Länge von 45 Kilometern", sagte Alexander Hoffmann vom Landesvorstand der NAJU. Diese Menschen irrten, denn 45 Kilometer Menschenkette waren geschlossen. Auch die Anzahl der Teilnehmer übertraf alle Erwartungen. 20.000 bis 40.000 Menschen wurden erwartet, 60.000 Menschen kamen. Auch die Polizei bestätigte diese enorme Zahl der wachsenden Anti-Atom-Bewegung in Süddeutschland zwei Wochen vor der Baden-Württembergischen Landtagswahl am 27. März 2011.
"Wir wollten uns ein möglichst breites Bild aus der Kette machen. Daher haben wir uns im Landesvorstand entschieden uns erst nach der Kette auf dem Schlossplatz zu treffen", sagte Landesjugendsprecherin Lena Mäckeburg nach ihrer Rückkehr vom Charlottenplatz.
NAJU Baden-Württemberg auf vielen Teilen der Strecke aktiv
Neckarwestheim – Kirchheim – Besigheim – Bietigheim – Ludwigsburg – Kornwestheim – S-Zuffenhausen – S-Feuerbach – Stuttgart auf den fettgedruckten Abschnitten der Menschenkette, waren Mitglieder der NAJU mit ihren Familien und Freunden aktiv.
Über die ganze Strecke blickte man auch immer wieder nach Japan. Die aktuellen Meldungen wurden auf vielen Smartphones abgefragt und auch an interessierte Umstehende weitergegeben. Vielfältige Diskussionen über die Sicherheit von Atomkraft in Deutschland bis hin zu Erdbeben allgemein machten vielerorts die Runde. Gerade diese immer wieder sich steigernden Meldungen im Verlauf der Kette und der Abschlusskundgebung zeigten deutlich, dass, im Gegensatz zur Menschenkette im vergangenen Jahr bei Hamburg, es keine "Anti-Atom-Party" war. Die Stimmung war insgesamt sehr bedrückt. Jakob Fricke von .ausgestrahlt sprach mit dem Satz "Wir hätten uns gewünscht, dass es nicht soweit kommt" im Interview mit der Frankfurter Rundschau vielen Menschen aus der Seele.
Während sich die Menschen und Verbände, wie BUND, BUNDJugend, Naturfreunde, Robin Wood und auch NAJU über die ganze Strecke verteilten und so die Geschlossenheit der Menschenkette sicherstellten, reihte sich die Politprominenz medienwirksam auf dem Stuttgarter Schlossplatz in die Menschenkette ein.
"Ned bloß schwätza – abschalta!"
Gut sichtbar hatte .ausgestrahlt auf das Banner auf dem Schlossplatz geschrieben. Angesichts der auch seit Jahren in Deutschland auftretenden Probleme und Störfälle in Deutschlands Atomkraftwerken fand dieser Satz breite Zustimmung unter den Anwesenden. Die Kernschmelzen und daraus entstandenen GAUs vor fast genau 25 Jahren in Tschernobyl (mit Brand) und jetzt in Fukushima (bisher glücklicherweise noch ohne) zeigen die großen Gefahren der Atomenergie deutlich. Der Brand in Krümmel oder die fast Kernschmelze in Biblis zeigen, dass auch deutsche Atomkraftwerke nicht völlig gefahrlos betrieben werden können.
Das was in Idar-Oberstein noch verhindert werden konnte, ist bei den beiden Reaktoren in Neckarwestheim Realität: Der Betrieb eines Atomkraftwerkes in einer Erdbeben gefährdeten Region Deutschlands. Sicherlich sind die Erdstöße in Deutschland nicht mit denen in Japan oder anderswo zu vergleichen. Deutsche Reaktoren sind aber auch nicht auf diese extremen Stärken ausgelegt und daher schon bei wesentlich geringeren Erdstößen anfällig.
Als fast schon tragisch ist die Angabe in der internationalen Kraftwerks-Datenbank des ICJT zu sehen, nach deren Angaben zumindest der erste Problemblock des AKW Fukushima in diesem Monat vom Netz hätte gehen sollten. Für den inzwischen (Stand 13. März 11:30 Uhr) bislang zweiten Block 3 sowie den zweiten Standort 10 Kilometer weiter südlich trifft dies jedoch nicht zu.
Sowohl campact! als auch .ausgestrahlt haben im Hinblick auf die Ereignisse in Fukushima weitere Aktionen und Mahnwachen angekündigt. Die NAJU ruft alle zu möglichst breitflächiger Beteiligung auf.


