Besorgnis über verschwundene Vögel wächst

Viele fragen beim NABU nach, warum in diesem Winter so wenige Vögel zu sehen sind


Vogelfutterhaus - Foto: NABU / B. Brobeil"Wo sind all die Vögel hin? Gibt es eine Seuche? Haben die Elstern alle aufgefressen?" Seit Tagen häufen sich diese Anfragen von besorgten Naturfreunden beim NABU Baden-Württemberg. "In der Tat sind im Moment ungewöhnlich wenige Vögel zu beobachten und so manches Futterhäuschen steht verwaist im Garten", berichtet auch Dr. Stefen Bosch. Grund zur akuten Besorgnis sieht der NABU-Vogelexperte indes nicht. Zwar ist der Amselbestand durch das im vergangenen Sommer grassierende Usutu-Virus tatsächlich eingebrochen, bei anderen Vogelarten dürften jedoch vor allem natürliche und lang bekannte Ursachen zugrunde liegen.

Dass die Vögel die Futterhäuschen derzeit wenig besuchen, liegt vor allem am Wetter. "Bei milder Witterung wie jetzt haben Vögel keinen Anlass, ihr Futter in der Nähe von Menschen zu suchen", erklärt Bosch. "Buchfinken, Meisen und Stieglitze sind sehr mobil. Vor allem wenn es nicht allzu kalt ist, schließen sie sich in Trupps zusammen und streifen weit umher, um natürliche Nahrungsquellen zu nutzen." Da weder Schnee noch Eis die Winternahrung der Vögel - insbesondere Sämereien - unzugänglich machen, finden die Vögel meist selbstständig genug Nahrung. Wer helfen will, bietet diese natürlichen Nahrungsquellen im Garten an: Ecken mit Wildkräutern und Staudenrabatten, die im Herbst nicht abgeräumt und gemäht werden, sowie Gebüsche und Bäume mit Früchten.

Viele Anrufer berichten auch, dass die Vögel erst seit ein oder zwei Wochen verschwunden sind und zuvor regelmäßig ans Futterhäuschen kamen. Auch hier gibt der NABU-Vogelexperte Entwarnung: Vögel können ihre Fressgewohnheiten schnell ändern. Vielleicht haben sie beim Nachbarn eine noch bessere Futterstelle gefunden? Studien aus England belegen, dass Kohlmeisen bis zu 30 Futterstellen zur Verfügungen stehen. Dieses Überangebot wird von den Vögeln flexibel genutzt. Besuchen sie eine bestimmte Futterstelle plötzlich nicht mehr, hat das nichts zu sagen.

Sorgen bereiten Stefan Bosch weniger kurzfristige Störungen in der Vogelwelt, die sich durchaus auch in temporären Bestandsrückgängen bemerkbar machen können. "Natur ist dynamisch. Solange die Bestände um einen langjährig stabilen Mittelwert herumpendeln, ist alles im grünen Bereich", erklärt Bosch. Problematisch seien dagegen langfristig negative Trends, etwa bei Feldvögeln wie Goldammer, Feldlerche und Neuntöter. Hauptgrund dafür ist der seit Jahren immer knapper werdende Lebensraum in der ausgeräumten Agrarlandschaft. Zudem gibt es sehr viele Verkehrsopfer unter den Vögeln. Millionen Vögel sterben zudem beim Anprall gegen eine Gebäude-Glasfront. Dass Rabenvögel wie Elstern und Krähen die kleineren Vögel in Massen fressen würden und die Bestände damit gefährdeten, bezeichnet Bosch dagegen als Unsinn. "Auf Verluste durch Rabenvögel sind unsere Singvögelbestände seit Jahrmillionen eingestellt. Problematisch können dagegen die vielen tausend Hauskatzen werden - an dieses Heer an eingebürgerten Beutegreifern ist unsere Vogelwelt noch nicht angepasst."

Mehr Informationen zum Thema auf der Seite des NABU Baden-Württemberg


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