Das Wildlife-Konzept

Elementares Naturerleben

Abends am Lagerfeuer sitzen und selbst gebackenes Brot essen, den Sternenhimmel bewundern, Wildkräuter aus der Natur sammeln, Feuerbohren oder den heimischen Tieren nachspüren… Das sind nur einige der Sachen, die du bei Wildlife erleben kannst.

Gruppenbild Wildlife Chamäleon - Foto: NAJU BW

Logo Wildlife - Grafik: NAJU BW

Die Idee für Wildlife und des Elementaren Naturerlebens entstand bei der NAJU Hessen, die das Konzept im Jahr 1995 mit Berthold Langenhorst auf die Beine gestellt hat.

Mit Wildlife wird den Jugendlichen ein ganzheitliches und elementares Naturerleben ermöglicht, aus dem durch eigene Betroffenheit umweltverträgliches Handeln erwachsen kann. Die Grundzüge sind im Folgenden dargestellt:

Die verschiedenen Elemente von Wildlife

Wildlifeteilnehmer sammeln Material - Foto: NAJU BW

1. Naturkunde
Die traditionelle Naturkunde versucht, biologisches und ökologisches Wissen zu vermitteln. Hierzu gehören: Artenkenntnis, Biotopkunde, Artenschutz, Ökologie von Lebensräumen (z. B. Wald, Wiese, Feuchtgebiet, Streuobstwiese) und praktischer Naturschutz. Die Vermittlung dieses Wissens erfolgt normalerweise in Seminaren zu bestimmten biologischen Themen, wie z. B. "Fledermäuse", "Insekten-Seminar" oder "Lebensraum Wald". Den Teilnehmenden bietet sich die Möglichkeit, naturkundliche Kompetenzen zu erwerben.

2. Erlebnispädagogik
Die Erlebnispädagogik geht von den Bedürfnissen von Kindern und Jugendlichen nach Bewegung und Abenteuer aus. Spiel, Sport und Spaß stehen im Mittelpunkt erlebnispädagogischer Konzeptionen. Das Lernen geschieht durch konkretes Erleben in einem bereitgestellten und vorgeplanten "Setting" (HECKMAIR & MICHL 1994). Typische erlebnispädagogische Veranstaltungen sind Kanu-Freizeiten, Rafting-Bootfahrten und Kletterkurse aber auch Naturerlebnisspiele.

3. Survivaltraining
Das Survivaltraining ist eine besondere Form der Erlebnispädagogik, bei der Menschen an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit herangeführt werden. Es gilt, in der "möglichst wilden" Natur mit wenigen Hilfsmitteln zu überleben und dabei eigene Stärken und Schwächen kennenzulernen (HEINEKING 1995). Das intensive Erleben des "Selbst" in Grenzsituationen steht im Mittelpunkt des abenteuerlichen Unternehmens.

4. Umweltbildung
In der Umweltbildung werden ökologische Zusammenhänge der Industriegesellschaft vermittelt und Lösungsmöglichkeiten aufgezeigt (KLEBER 1993). Ein wichtiger Aspekt der Umweltbildung ist die Erzeugung und Verstärkung von Umweltbewusstseins, das möglichst auch in ein entsprechendes Handeln umgesetzt werden sollte. Die Auseinandersetzung mit den ökologischen Folgen der modernen Konsumgesellschaft führt fast zwangsläufig auch zur Beschäftigung mit den politischen Strukturen des demokratischen Staates. Sie kann zum Ausprobieren alternativer Lebensentwürfe führen. Typische Umsetzungsformen der Umweltbildung sind Seminare, Arbeitsgruppen, Aktionen und Podiumsdiskussionen zu aktuellen umweltpolitischen Themen.

Das 4-Phasen-Modell

Steindenkmäler - Foto: NAJU BW / G. Schmidt

Um die Beziehung der Jugendlichen zur Natur zu intensivieren, orientieren sich die Wildlife-Kurse an einem 4-Phasen-Modell:

Die Einstimmungsphase ist notwendig, um vom Alltag abzuschalten, eigene Sinne wieder zu beleben und in der Natur anzukommen.

In der Einübungsphase erlernen die Teilnehmer*innen einfache Überlebenstechniken (Bau eines Feuerkreises, Brot backen am Feuer…). Außerdem wird die Wahrnehmung in dieser Phase verstärkt geschult. Durch die Kombination dieser beiden Übungen, fühlen sich die Jugendlichen bald stärker mit der Natur vertraut und sicher, da sie sich zu helfen wissen, Geräusche und Gerüche etc. besser einordnen zu können. Alle Elemente haben einen Herausforderungscharakter, der an die nächste Phase heranführt.

Die Erlebnisphase soll das intensive Naturerlebnis ermöglichen; der langsamere Rhythmus der Natur, die Besonderheit der Situation und die elementare Rückführung auf die sinnliche Wahrnehmung tragen dazu bei. Die Übernachtung im Wald stellt ein klassisches Element dieser Phase dar.

Als Erfahrung bezeichnen wir die Vertiefung des Erlebens. Damit die Wahrnehmung auch ins Bewusstsein gebracht wird und ein Transfer in den Alltag möglich werden kann, schließt sich an die Erlebnisphase die Reflexionsphase an. Hier besteht die Möglichkeit, den persönlichen Eindrücken mit geeigneten Methoden Ausdruck zu verleihen. 

Die Leitbilder "Minimal Impact" und "Nachhaltige Entwicklung"

Wandern durch die Natur mit Rucksäcken - Foto: NAJU BW / G. Schmidt

In Wildlife sind die beiden Leitbilder  "Minimal Impact" und "Nachhaltige Entwicklung" verankert, die im Folgenden näher erklärt werden:

Im Leitbild "Minimal Impact" ist der Fokus auf den Schutz der Wildnislandschaften gerichtet. Es soll das Verständnis für eine sich selbst überlassene Natur und ihre Eigenarten, sowie die Bedeutung einer ungestörten Natur für die Tier- und Pflanzenwelt vermittelt werden. Der Mensch ist in ihr nur zu Gast und soll sie möglichst wenig beeinträchtigen. Hierfür bewegen sich die Jugendlichen z. B. im Kursdesign "Querwaldein" abseits der Wege durch heimische Wälder. Während dieser Zeit werden jegliche Art von Spuren gesammelt und aufmerksam untersucht. Die sonst so vertraute Landschaft ist durch den Wechsel der Perspektive plötzlich voller Spannung, neuer Eindrücke und erscheint wieder "wild". Wege werden dabei wie Flüsse überquert, so dass jedem schnell klar wird, wie stark unsere Wälder zerschnitten sind und welche Bedeutung ungestörte Wildnisgebiete als Rückzugsräume für Tiere haben.

Das Leitbild "Nachhaltige Entwicklung" steht für den Schutz der Kulturlandschaft. Da es in Mitteleuropa überwiegend nur alte Nutzlandschaften gibt, kommt der nachhaltigen Entwicklung eine große Bedeutung zu. Die Verknüpfung des menschlichen Lebens mit seiner Umwelt wird z. B. im Kursdesign "Waldinsel" verdeutlicht. Während dieses Kurses leben die Jugendlichen stationär in einer selbstgebauten Unterkunft, dem Feuerkreis. Sie entnehmen viele der Rohstoffe, die sie an dem Wochenende benötigen direkt ihrer Umgebung (z. B. Feuerholz, Baumaterial für Feuerkreis und Laubhütten und pflanzliche Nahrung). So können sie durch diese stark reduzierten Stoffkreisläufe die Folgen ihres Tuns direkt erfahren und die enge Verknüpfung ihres Lebens mit der Natur elementar und existentiell erleben. Der Nachhaltigkeitsgedanke wird somit greifbar: Wenn man das Holz direkt um die Feuerstelle schon am Anfang verbraucht, dann muss man in der Nacht oder bei Regen weiter laufen, um welches zu finden. Die Idee der Natur nur soviel zu entnehmen, wie notwendig ist, ist plötzlich keine graue Theorie mehr, sondern eine logische Verhaltensweise.

 

Ansprechpartner

Nico Teerenstra
Wildlife (0711) 469 092-56
Förderung
Mit Unterstützung der Stiftung Naturschutzfonds gefördert aus zweckgebundenen Erträgen der Glücksspirale.

Die Durchführung dieses Projekts wurde durch eine vierjährige Förderung der Stiftung Naturschutzfonds  aus zweckgebundenen Erträgen der Glücksspirale ermöglicht.

Ausgezeichnet

Das Wildlife-Projekt ist als Beitrag zur UN-Dekade Bildung für nachhaltige Entwicklung ausgezeichnet.

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